Frostharter Zitrus im Garten 

Mit der Optik eines blühenden und fruchtenden Orangenbaums im Hinterkopf, mit dem Wunsch nach nutzbaren Zitrusfrüchten, steckt das Thema mangels gewerblich-wirtschaftlichem Desinteresse noch in den Kinderschuhen, findet aber unter Exotenfreunden zunehmend Interesse.

 

Swingle Citromelo Frucht

Mit Poncirus trifoliata (-20 Grad) und Citrus ichangensis (-15 Grad) gibt es bereits frost- bzw. je nach Region winterharte Zitruspflanzen. Hochdekorativ, aber wenig nutzbar ist Swingle Citromelo (-12 Grad, Bild rechts).  

Einen Baum mit Krone gegen tieferen Frost zu schützen ist nicht so einfach. Beschneidet man ihn für den Schutz, schneidet man ihm auch die Möglichkeit ab, im nächsten Jahr zu blühen und zu fruchten.  

 

 

 

Als Sorten denen man nutzbare Früchte nachsagt, pflege ich ausgepflanzt:

Thomasville Citrangequat (-12 Grad, wie kleine Zitronen nutzbar), Cunningham Livurce (-12 Grad, Grapefruitgeschmack (soll), 1. Versuch), Citramelo (unbekannte Citrangenart reingekreuzt), Yuzu, Swingle Citromelo, Ichangensis (Wildling, Zitronenform, ohne Kerne, Geschmack wie Grapefruit, leicht schälbar), Poncirus x changha, Citrus Japanhybride (Auspflanzung 2020)

Hybrid 119 US und Violetta Voss habe ich ausprobiert. Hybrid 119 mehrfach, selbst als größeres Bäumchen mit Schutz (doppelte Vlieshaube und Heizkabel) keine Chance. Violetta Voss regenereriert gut, aber friert immer stark zurück, selbst bei geringeren Frösten. Hybrid 119  bekommt Frostrisse trotz Schutz und stirbt. Keine Freilandtauglichkeit bei beiden.

Derzeit wird versucht Hybriden auf Ichangensis-Basis zu probieren, da diese nicht den Poncirusgeschmack haben.

 

C. ichangensis x sinensis


Ich habe jetzt eine ichangensis x sinensis (ixs) bei Eisenhut Schweiz erworben und zwei bei Maurizio von Agrumi Lenzi. Ausgepflanzt ist die ixs von Maurizio. Ich habe die beiden anderen im Topf als Backup zunächst. Ausgepflanzt ist an der Garagenwand mit etwas Dachüberstand. Hier ausgepflanzte Exoten zeigen auch nach dem Winter eine sehr gute Form, so dass die Wand und der Dachüberstand hervorragend schützen. Noch treibt die ausgepflanzte ixs nicht aus.   

Den Winter 2017/2018 hat die ixs mit -9,5 Grad als Tiefsttemperatur nicht überstanden. Die Cunningham Livurce daneben ohne einen Kratzer. Ich vermute, dass die wenig frostharte Veredelungsunterlage Schuld trägt und später ein Versuch mit der ixs von Eisenhut gemacht wird, da hier auf Poncirus veredelt wurde.

Die ixs von Agrumi Lenzi im Topf hat gut gefruchtet (siehe Bild).

Die ixs von Eisenhut wurde 2019 neben den Zwerggranatapfelbusch gepflanzt mit Nähe zur Garagenwand und viel Sonne. Es gab viele Blüten, die auch von den Bienen gerne befruchtet wurden.

 

Cunningham Livurce


Mit -12 Grad und der Aussicht auf nutzbare Früchte, erschien mir diese Sorte interessant, so dass ich 2012 eine Veredelung bezog und auspflanzte. Sie bekam auch geringe Fröste ab und wuchs 2013 weiter.

2014 blühte sie zum ersten Mal, woraus sich zwei minimale "Fruchtansätze" ergaben und schnell wieder abfielen. Sturmbedingt fiel der Sonnenschirm auf die Cunningham Livurce und riß die komplette "Krone" ab (Schock!). Ich legte einen Verband an, jedoch wurde der obere Teil der Pflanze abgestoßen. Aus den neuen seitlichen Trieben, die ich dann nach oben band, wächst jetzt der neue Stamm heran. Die Pflanze verholzt mittlerweile gut und ich freue mich, dass sie sich so gut erholt hat.

2016 starkes Wachstum, zweifach Austriebe, keine Blüten. 2017 trotz Schutz (Vlieshaube) bei -9 Grad sehr stark zurückgefroren und Austrieb etwa 10-15 cm über den Boden aus dem dicken verholzten Stamm.   Die Cunningham wurde ausgegraben und an die Garage gepflanzt zur ixs. An ihrer Stelle kam ein kleiner Schlafbaum ins Beet.

Winter 2017 / 2018 mit -9,5 Grad an der Garagenwand kein Problem für die Cunningham. Sie ist gut gewachsen und ich denke nächstes Jahr geht es an den Kronenaufbau. Bin sehr zufrieden!

2019, Aufastung zur Kronenbildung. Juni 2019 bisher keine Blüten. Größe jetzt ca. 190 cm, schön verholzt.

 

Citrus ichangensis


Citrus ichangensis hat schon -12 Grad ungeschützt bei mir überstanden. Diesen Winter (2015/2016)  -8 Grad ungeschützt.

Den Nutzen der Früchte kann ich noch nicht abschätzen, aber vielleicht Saft und Schale. Sie wächst relativ langsam und moderat. 2016 weiter in Form zum Baum geschnitten, dadurch auch keine Blütenbildung. Stamm verholzt zusehendst.

2017 weiter beschnitten, Wachstum gut, -9 Grad, keine Winterschäden, keine Blütenbildung. Guter Austrieb.

Winter 2017 / 2018 mit -9,5 Grad kein Schaden, kein Schutz, Blütenbildung und Fruchtausbildung. 5 Früchte und neue Blütenbildung Anfang September.

2019 etwa 9 Früchte, wieder ovale Form der Früchte. Sieht nach einer Wiederholung von 2018 aus.Ich werde versuchen, diesen Zitrus zu kopieren und zu vermehren.

Die Früchte schmecken sauer nach Zitrone, aber auch milder wie eine Grapefruit. Sie lassen sich mit den Fingern schälen und haben keine Kerne. Also keine normale Ichangensis. Sehr lecker und nicht typisch ichangensis, die sehr viele Kerne und wenig Saft und Fleisch hat.

Yuzu


Yuzu (Citrus × junos [C. reticulata × C. ichangensis]) soll sehr frosthart sein. Die Nutzung der Früchte ist mir nicht bekannt, im Internet liest man aber viel Positives darüber. Ein Sämling kam 2017 zu mir und wurde 2018 ausgepflanzt. Gut angewachsen, wartet sie auf ihren ersten Winter.

2019 später Blattaustrieb. Trotz der geringen Größe, kein Schutz und -8,2 Grad, gab es keinen Schaden.

 

Thomasville Citrangequat


Die Thomasville Citrangequat (Citrange x Kumquat) habe ich bereits im alten Kölner Garten ausprobiert, wo sie zwar bei über -10 grad als kleinere Pflanze eingegangen ist, aber sich regenerativ und frosthart zeigte. Die Früchte sollen sehr gut nutzbar sein. Bei einem älteren Baum bei einem Zitruszüchter, konnte ich sehen, dass die Früchte teilweise ganz unterschiedliche Formen und Aussehen besaßen. sehr spannend.

Noch traue ich mich nicht die Pflanze auszupflanzen. Es gab viele Blüten 2018 und auch Früchte. Ich freue mich aufs Ausprobieren. Einen kräftigen Sämling als Backup habe ich auch noch.

Auspflanzung erfolgte 2019 erfolgt.

Citramelo


Bei einem Zitruszüchter habe ich 2017 eine Citramelo gefunden. Eine unbekannte Citrange ist eingekreuzt. Frosthärte soll bei -13 Grad liegen. Das macht sie erstmal sehr interessant.

Ausgepflanzt 2018 wuchs sie recht gut und steht vor ihrem ersten Winter.

2019 ohne Schaden und Schutz bei -8,2 Grad alles gut überstanden.


Swingle Citromelo


2017 erwarb ich bei einem Zitruszüchter eine Citromelo (Poncirus trifoliata x Citrus paradisi). 2018 pflanzte ich sie sehr sonnig aus. Es stellte sich aber kein Wachstum ein, sondern nur Mangelerscheinungen in Form vergilbter Blätter. Die Pflanze verhungerte sichtbar. Also irgendwann wieder getopft und sie grünte wieder und wuchs. Neuer Versuch nach Platz 2019.

Ich hatte bereits 2011 eine kräftiges Citromelo-Bäumchen ausgepflanzt, das auch fruchtete. Aber ich übertrieb es mit dem Testen der Frosthärte und bei -15 Grad bekam sie Frostrisse und ging ein. -12 Grad ist schon die Grenze und sollte nicht unterschritten werden.

Die Citromelo ersetzt die im Cycas P. ausgepflanzte Kumquat, die dort wegen zuviel Luftfeuchte im Schutz nach dem Winter sehr stark abbaut und schimmelt. Der C.P. Schutz wird verkürzt und erhöht und die Citromelo steht dann dort ohne Schutz. Auspflanzung Ende Februar 2019 (+16 Grad, Frühfrühling quasi, kein Frost mehr in Sicht) Erste Blüten- und Fruchtbildung 2019 (Ende Juli)

Poncirus x changha


Poncirus gekreuzt mit der frostharten Changha Mandarine. Auspflanzung an der Terrasse 2019. Ist immergrün und meist trifoliat.  Ausgepflanzt 2019, gilbt sie noch etwas und muss sich noch etablieren.

 

Citrus Japanhybride



Die Japanhybride ist monofoliat und wurde von der Gärtnerei Eisenhut in der Schweiz über einen Freund bezogen. Sie ist immergrün. Auspflanzung wahrscheinlich 2020. Sie soll ca. -12 Grad aushalten.